| Die älteste bäuerliche
Kultur wird nach der bandförmig eingeritzten und eingestochenen
Verzierung ihrer Gefäße als Linearbandkeramik bezeichnet. Aus dieser
Zeit stammen die bisher ältesten Funde im Gemeindegebiet. Im Aitrachtal
sind allein zwischen Geltolfing und Ittling zehn Siedlungen der
Linearbandkeramik bekannt.
Eine von ihnen wurde vor dem Bau der
neuen Trasse der B 20 am Westufer der Aiterach, süd-westlich von Ödmühle
ausgegraben. Das Dorf hatte eine Ausdehnung von 600 m x 200 m. Von
seinen Häusern konnten zwei lange rechteckige Häuser durch
Pfostenstandspuren festgestellt werden. Die Spuren der übrigen Gebäude
waren durch Erosion und moderne Feldbestellung zerstört. Die
aufgefundenen Häuser hatten eine Länge von 20 m bzw. 15 m. Man nimmt
an, dass sich in diesen Häusern sowohl Wohn- und Schlafzonen aber auch
Wirtschaftszonen einer Großfamilie befanden. Den agrarischen Rückhalt
dieser Siedlungsgemeinschaft belegen Reste einiger großer Tongefäße,
die für eine Vorratswirtschaft geeignet scheinen.
Wichtiger als die Siedlungsreste ist
das zur Siedlung zugehörige größte linearbandkeramische Gräberfeld
Deutschlands, mit insgesamt an die 260 Gräbern. Hervorzuheben sind
einige Schmuckgrabbeigaben die aus einer Muschelart hergestellt sind,
die nur aus dem Mittelmeerraum bekannt ist. Ebenfalls jungsteinzeitliche
Funde und Befunde erbrachte eine weitere Grabung. Im Jahr 1997 wurden im
Baugebiet „Am Kirchsteig“ ca. 10.000 m³ unmittelbar durch Baumaßnahmen
bedrohter Fläche unter der Regie des Landesamtes für Denkmalpflege
Landshut und dem Kreisarchäologen des Kreises Straubing-Bogen im Rahmen
eine Rettungsgrabung wissenschaftlich untersucht. Die ältesten Funde
dieser Grabung datieren auf 3500 v. Chr., in die sogenannte Altheimer
Gruppe. Die Menschen dieser Zeit haben uns die Reste einiger Häuser,
aber auch einen Teil ihres Abfalls hinterlassen. So konnten solche Reste
aus einer besonders gut erhaltenen Grube zu mehreren fast ganzen Gefäßen
rekonstruiert werden. Dieselbe Grube barg einen Teil des damaligen
Werkzeugspektrums: ein geschliffenes Steinbeil, Klingen aus Feuerstein
und ein Knochenmeißel.
Aus der Zeit um 2500 v. Chr. stammen
zwei Gräber: Eine Frau und ein Kind sind in der für diese Zeit
typischen Weise auf der Seite liegend in hockender Stellung beigesetzt
worden. Zu beiden Gräbern gehören Keramik- und Steinbeigaben.
Weitere Funde weisen in der Zeit ab
2300 v. Chr. in der der Gebrauch von Metall bekannt wurde. Besonders die
Spätbronzezeit (1300-800 v. Chr.) ist in dieser Grabung stark
vertreten. Es konnten die Reste mindestens zweier Pfostenbauten und
zahlreiche Gruben festgestellt werden. Aus der Latenezeit, der Zeit der
Kelten, stammen einige Vorratsgruben. Darunter hat man sich glockenförmig
in den Boden eingetiefte Gruben vorzustellen, in die man Getreide einfüllte
und mit Lehm luftdicht abschloss.
Aus der Zeit des frühen Mittelalters
(ca. 7. - 9. Jhd.) sind Reste eines Kalkofens und zwei Körpergräber in Rückenlage,
die vermutlich auch dieser Zeit zugewiesen werden können, gefunden
worden. Diese Funde sind wohl im unmittelbaren Zusammenhang mit der frühesten
Erwähnung Aiterhofens zu bringen. Dieses Datum konnte so auch mit archäologischen
Mitteln nachvollzogen werden.
Die Grabung Aiterhofen „Am
Kirchsteig“ wirft ein Licht auf 5500 Jahre Aiterhofener
Geschichte, und macht wiederum deutlich, dass die Menschen das Gebiet
der Gemeinde zu jeder Zeit aufs Neue zu schätzen wussten. |